Kennen Sie das? Sie möchten zum Geburtstag ein Buch verschenken, stehen in der Buchhandlung vor dem Stapel mit den Neuerscheinungen und haben plötzlich keine Ahnung mehr, was die Freundin eigentlich gern liest. Dabei ist ein Buch ein sehr persönliches Geschenk. Es sagt: Ich habe darüber nachgedacht, was dich interessiert. Damit das auch so ankommt, lohnt sich ein bisschen Vorarbeit. Wir gehen den Weg vom ersten Gedanken bis zur Übergabe in fünf Schritten durch.
Warum überhaupt Lesestoff schenken? Weil Sie damit Zeit schenken: ein paar Abende mit einer Geschichte, die sich das Geburtstagskind selbst vielleicht nie gekauft hätte. Außerdem lässt sich ein Buch einfach verschicken, wenn Sie am Geburtstag nicht persönlich dabei sein können.
Schritt 1: Den richtigen Lesetyp erkennen
Bevor Sie über einen Titel nachdenken, überlegen Sie, wie die Person liest. Ein Vielleser hat andere Wünsche als jemand, der im Jahr zwei Romane im Urlaub schafft. Und wer täglich mit der Bahn pendelt, greift eher zu einem handlichen Taschenbuch als zu einem schweren Hardcover.
| Lesetyp | Woran Sie ihn erkennen | Was meistens passt |
|---|---|---|
| Vielleser | volles Regal, Leseapp, Bibliotheksausweis | Gutschein oder ein Titel abseits der Bestsellerliste |
| Wenigleser | liest vor allem im Urlaub | kurze Romane, Erzählbände, Graphic Novels |
| Sachbuchfan | spricht viel über ein Hobby oder Fachgebiet | Sachbuch oder Ratgeber genau zu diesem Thema |
| Ästhet | achtet auf Einrichtung und Gestaltung | Bildband über Design, Architektur, Reisen |
| Hörer | hört Podcasts und Hörbücher | Hörbuch oder die gedruckte Ausgabe eines gehörten Lieblingstitels |
Für Romanleser zählt vor allem die Geschichte. Welche Geschichte hat Ihren Freund oder Ihre Freundin zuletzt begeistert? Ein spannender Krimi, ein Liebesroman oder eine Familiengeschichte über drei Generationen? Mit dieser Antwort sind Sie dem richtigen Buch schon ein großes Stück näher. Eine gute Geschichte aus dem Lieblingsgenre ist fast immer ein sicheres Präsent. Hilfreich ist auch die Frage, wann jemand liest: Für den Strand im Sommer passt etwas anderes als für lange Winterabende.
Bei Kindern zählt vor allem das Lesealter. Ein dicker Roman schreckt ab, wenn das Kind gerade erst flüssig liest. Bilder und eine lebhafte Geschichte sind hier die bessere Wahl.
Ein Tipp für die Recherche: Schauen Sie beim nächsten Besuch unauffällig ins Regal. Bücher, die einen besonderen Platz bekommen haben, verraten viel über den Geschmack. Welche Autoren stehen dort mehrfach? Welche Themen tauchen immer wieder auf? So erfahren Sie mehr als durch jede direkte Frage, die ja die Überraschung verraten würde. Hören Sie auch gut zu, wenn das Gespräch auf Filme oder Serien kommt. Viele Serien beruhen auf Romanen, und so wissen Sie schnell, ob die Vorlage gefallen könnte.
Schritt 2: Ein Buch verschenken, das noch fehlt
Ein Geschenk, das schon im Regal steht, ärgert beide Seiten. Bei beliebten Neuerscheinungen passiert das leicht, weil viele Gäste auf dieselbe Idee kommen. Fragen Sie im Zweifel den Partner oder einen guten Freund des Geburtstagskinds, ob der Titel schon da ist. Gute Freunde wissen oft auch, welches Buch gerade auf dem Nachttisch liegt und welche Romane das Geburtstagskind gern noch lesen würde.
Diese Punkte helfen dabei:
- Wunschliste ansehen: Viele Menschen führen eine Wunschliste bei einem Onlinehändler oder in einer Lese-App. Ein kurzer Blick verrät oft schon, was fehlt.
- ISBN vergleichen: Seit 2007 hat jede Buchausgabe eine 13-stellige ISBN. Taschenbuch, Hardcover und Sonderausgabe haben unterschiedliche Nummern, der Inhalt ist aber derselbe.
- Reihen prüfen: Bei Krimi- oder Fantasy-Reihen lohnt der Blick auf den letzten gelesenen Band. Wer die ganze Reihe kennt, freut sich über die Fortsetzung, besonders wenn der letzte Band mit einem offenen Ende aufgehört hat. Der nächste Teil ist dann ein sicheres Geschenk.
- Neuauflagen beachten: Ein Klassiker in neuer Übersetzung kann eine schöne Idee sein, wenn die alte Ausgabe zerlesen ist.
Preise vergleichen müssen Sie übrigens nicht. In Deutschland gilt die Buchpreisbindung: Wer neue Bücher gewerblich an Endkunden verkauft, muss laut § 3 Buchpreisbindungsgesetz den vom Verlag festgesetzten Preis einhalten. Ob Sie in der kleinen Buchhandlung um die Ecke kaufen oder online, der Preis ist gleich. Ausgenommen sind gebrauchte Bücher.
Schritt 3: Den Bildband als Wohnaccessoire denken
Sie möchten ein Buch schenken, und die Beschenkte richtet gern ein? Dann liegen Sie mit einem Bildband oft richtig. Für Wohnfans ist er das schönste Präsent. Gelesen wird er in kleinen Portionen, und das macht ihn für Wenigleser interessant. Man blättert einfach, wann immer Zeit ist. Die großen Formate, im Englischen Coffee-Table-Book genannt, werden selten von vorn bis hinten gelesen. Sie liegen auf dem Couchtisch, auf dem Sideboard oder auf der Fensterbank und werden immer wieder aufgeschlagen. So ist ein Bildband Lektüre und Dekoration zugleich.

Beim Aussuchen helfen ein paar Überlegungen:
- Thema: Architektur, Gartenkunst, Fotografie, ein Reiseziel oder eine Designepoche wie das Bauhaus. Je genauer es zu den Interessen passt, desto besser.
- Format und Gewicht: Großformate brauchen Platz. Viele Regale sind nur rund 30 Zentimeter tief, ein querformatiger Bildband ragt dann heraus. Auf dem Tisch stört das niemanden.
- Einband: Leinen, Halbleinen oder ein Schuber wirken hochwertig und halten länger als ein Papierumschlag.
- Farben: Wer schon weiß, wie das Wohnzimmer eingerichtet ist, kann einen Umschlag wählen, der zu den Farben passt.
Wie Sie solche Stücke im Raum gezielt einsetzen, lesen Sie in unserem Beitrag über Dekoration mit Funktion. Für eine Leseecke braucht es außerdem gutes Licht. Tipps dafür stehen im Ratgeber zur Beleuchtung im Wohnzimmer.
Schritt 4: Eine Widmung schreiben
Eine Widmung macht aus einem Buch ein ganz persönliches Präsent. Auch nach Jahren erinnert sie daran, von wem das Exemplar stammt und zu welchem Anlass es kam. Der übliche Platz ist die erste freie Seite vorne, das sogenannte Vorsatzblatt, oder die Seite mit dem Kurztitel.
Was hinein gehört? Ein Datum, der Anlass und ein Satz, warum Sie gerade diesen Titel ausgesucht haben. Ein Beispiel: „Liebe Sarah, zum 40. Geburtstag, weil du mir so oft von Lissabon erzählt hast.“ Das ist kurz und trotzdem persönlich. Auch eine Lieblingsstelle mit Seitenangabe ist eine schöne Idee. Schreiben Sie am besten mit einem Füller oder einem dokumentenechten Stift, Kugelschreiber drückt bei dünnem Papier durch. Fällt Ihnen nichts ein, denken Sie kurz darüber nach, warum Sie bei diesem Titel gerade an das Geburtstagskind gedacht haben. Daraus ergibt sich der Satz meist von selbst.
Zwei Dinge sollten Sie dabei bedenken:
- Ein beschriebenes Exemplar lässt sich praktisch nicht mehr umtauschen.
- Bei wertvollen Bildbänden oder Erstausgaben möchte nicht jeder Besitzer eine Handschrift im Buch.
In beiden Fällen ist eine Karte oder ein Lesezeichen mit der Widmung die bessere Lösung. Darf man das Buch vorher eigentlich selbst lesen? Bei einem neuen Geschenk eher nicht, Knicke im Rücken fallen auf. Ein gebrauchtes Lieblingsbuch mit Gebrauchsspuren und einer Notiz, warum es Ihnen wichtig ist, kann dagegen ein besonders schönes Geschenk sein. Beim nächsten Treffen haben Sie dann gleich ein Gesprächsthema, und das Buch schenkt Ihnen gemeinsame Zeit.
Schritt 5: Verpacken und den Umtausch regeln
Bücher lassen sich leicht einpacken. Trotzdem erkennt jeder die Form sofort. Wer überraschen möchte, legt ein kleines Buch in eine größere Schachtel oder kombiniert es mit etwas Passendem. Zum Reiseführer gehört zum Beispiel ein Geschenkkorb mit landspezifischem Inhalt, zum Kochbuch ein Gewürz aus dem Rezeptteil.

Ideen für die Verpackung:
- Packpapier mit Kordel und einem Zweig aus dem Garten
- ein Tuch, das nach japanischer Art (Furoshiki) gebunden wird und selbst ein zweites Geschenk ist
- eine Stofftasche mit Aufdruck, die später zum Einkaufen dient
Viele Buchhandlungen packen das Geschenk auf Wunsch kostenlos ein, wenn Sie es dort direkt kaufen. Fragen Sie dort am besten auch gleich nach einem Geschenkbeleg. Einen gesetzlichen Anspruch auf Umtausch gibt es im Laden nicht, viele Händler tauschen aber unbeschriebene Bücher aus Kulanz. Bei Onlinebestellungen haben Sie 14 Tage Widerrufsrecht, die Frist beginnt allerdings mit der Lieferung und nicht am Geburtstag. Bestellen Sie also nicht zu früh.
Kurz gefragt
Welches Buch passt, wenn ich die Person kaum kenne? Am besten ein Bildband zu einem allgemeinen Thema wie einer Stadt oder einer Landschaft. Alternativ ein Buchgutschein, mit dem sich das Geburtstagskind selbst etwas aussucht. Mit einem kleinen Gruß auf einer Karte wird auch daraus ein liebevolles Geschenk.
Ist ein Gutschein nicht zu unpersönlich? Bei Viellesern ist er oft das beste Präsent, weil sie selbst am besten wissen, was sie als Nächstes lesen wollen. Mit einer Karte, auf der Sie einen Titel vorschlagen, wird er persönlicher.
Welches Präsent passt zum runden Geburtstag? Zum 30., 50. oder 70. Geburtstag passt etwas, das an das Geburtsjahr anknüpft: ein Bildband über das Jahrzehnt, in dem die Person groß geworden ist, oder ein Roman, der genau in ihrem Jahr erschienen ist. Ältere Ausgaben aus einem bestimmten Jahr finden Sie im Antiquariat. In der Widmung können Sie dann erklären, warum Sie sich für dieses Buch entschieden haben.
Was tun, wenn das Buch doppelt ist? Unbeschrieben und mit Beleg lässt es sich meist umtauschen. Deshalb gehört die Widmung bei unsicheren Titeln auf eine Karte.
Unsere Empfehlung: Überlegen Sie zuerst, wie das Geburtstagskind liest, und gehen Sie erst dann in die Buchhandlung. Ein Blick ins Regal und ein Geschenkbeleg in der Tasche ersparen Ihnen den Ärger mit doppelten Exemplaren. Wenn Sie dann noch wissen, welche Geschichte zuletzt Freude gemacht hat, finden Sie das richtige Buch fast von allein.

