Der Stoff ist gekauft, der Zuschnitt beginnt, und am letzten Teil fehlt eine Handbreit. Dieses Erlebnis hat fast jeder hinter sich, der einmal Vorhänge genäht oder ein Polster bezogen hat. Es liegt selten am Rechnen selbst, sondern daran, dass zwei Größen nicht berücksichtigt wurden: die Stoffbreite und der Musterrapport.
Vom Fertigmaß zum Zuschnittmaß
Gerechnet wird nicht mit dem Maß des fertigen Teils, sondern mit dem Zuschnittmaß. Dazu kommen Nahtzugaben an allen Kanten, der Saum unten, der Einschlag oben und bei Vorhängen die Zugabe für das Aufhängesystem. Zum Stoff gehört außerdem ein passendes Nähgarn, das zu Faser und Belastung passt.
Bei Vorhängen kommt die Mehrweite dazu. Damit ein Vorhang fällt, braucht er das Anderthalb- bis Dreifache der Stangenlänge, je nach Faltenart. Diese Mehrweite wird oft vergessen und macht den größten Teil des Verbrauchs aus. Wie stark Vorhänge die Wirkung eines Raums bestimmen, zeigt der Beitrag über passende Vorhänge als Eyecatcher.
Die Stoffbreite entscheidet über Bahnen
Stoff kommt in festen Breiten. Ob ein Teil in einer Breite Platz findet oder ob zwei Bahnen nebeneinander genäht werden müssen, entscheidet über den Gesamtverbrauch. Bei knapper Entscheidung kann ein Stoff mit größerer Breite trotz höherem Meterpreis günstiger sein.
Dekostoffe gibt es teilweise in Breiten, die eine Vorhanghöhe quer erlauben. Dann entfällt die Teilung, allerdings nur, wenn der Stoff ohne erkennbare Richtung gewebt ist.
Der Rapport ist der stille Kostentreiber
Bei gemusterten Stoffen wiederholt sich das Motiv in festen Abständen. Damit das Muster über mehrere Bahnen durchläuft, muss jede zusätzliche Bahn versetzt zugeschnitten werden, und dieser Versatz ist Verschnitt.
Als Faustregel gilt: Pro zusätzlicher Bahn kommt bis zu ein voller Rapport an Länge dazu. Bei großen Mustern kann das mehrere Meter ausmachen. Wer Bahnen, Zugaben und Rapport gemeinsam berücksichtigen möchte, findet bei creasphere.ch einen Rechner für Stoff- und Wollmengen, der genau diese Faktoren zusammenführt.
Fadenlauf und Strichrichtung
Jeder Stoff hat einen Fadenlauf, an dem er stabil ist, und eine Querrichtung, in der er nachgibt. Teile werden entlang des Fadenlaufs zugeschnitten, sonst verziehen sie sich im Gebrauch. Das schränkt die Anordnung auf der Bahn ein und erhöht den Verbrauch.
Samt, Cord und viele Webstoffe haben zusätzlich eine Strichrichtung. Werden Teile gedreht angeordnet, erscheinen sie in unterschiedlicher Helligkeit, was bei fertigen Vorhängen sofort auffällt.
Einlaufen einkalkulieren
Naturfasern laufen bei der ersten Wäsche ein, bei Baumwolle und Leinen teilweise deutlich. Deshalb wird Stoff vorgewaschen, bevor zugeschnitten wird, und zwar so, wie das fertige Teil später gepflegt wird. Welche Behandlung erlaubt ist, verraten die Pflegesymbole auf dem Etikett.
Wer darauf verzichtet, erhält Vorhänge, die nach der ersten Wäsche einige Zentimeter über dem Boden enden. Rückgängig machen lässt sich das nicht.
Der Zuschlag, der sich lohnt
Zehn Prozent Aufschlag auf die berechnete Menge sind ein bewährter Wert, bei gemusterten Stoffen eher mehr. Reststücke lassen sich für Kissen, Raffhalter oder Ausbesserungen verwenden. Eine Nachbestellung aus einer anderen Färbepartie weicht fast immer sichtbar ab.
Gerade dieser letzte Punkt wird unterschätzt. Die Partienummer steht auf dem Etikett und sollte notiert werden, solange der Stoff noch verfügbar ist.
Bei Polsterarbeiten kommt eine weitere Größe dazu: der Verschleiß. Sitzflächen brauchen Gewebe mit höherer Scheuerbeständigkeit, und diese Angabe steht als Zahl im Datenblatt. Ein dekorativer Stoff auf einem täglich genutzten Sessel sieht nach einer Saison alt aus, unabhängig davon, wie sorgfältig zugeschnitten wurde. Woran sich solide Polstermöbel insgesamt erkennen lassen, beschreibt der Beitrag hochwertige Möbel erkennen.
Häufige Fragen
Wie viel Mehrweite brauchen Vorhänge?
Je nach Faltenart das Anderthalb- bis Dreifache der Stangenlänge. Diese Mehrweite macht den größten Teil des Stoffverbrauchs aus und wird häufig vergessen.
Was bedeutet Musterrapport für den Verbrauch?
Der Rapport ist der Abstand, in dem sich das Muster wiederholt. Damit es über mehrere Bahnen durchläuft, kommt pro zusätzlicher Bahn bis zu ein voller Rapport an Länge dazu.
Muss Stoff vor dem Zuschneiden gewaschen werden?
Bei Naturfasern ja. Baumwolle und Leinen laufen bei der ersten Wäsche ein. Vorgewaschen wird so, wie das fertige Teil später gepflegt wird.

